Kampf um ein Museum

Brian stand mit offenem Mund vor einem Schaukasten mit einem bestickten Gewehrfutteral. Das war die Gewehrtasche, die seine Ururgroßmutter für seinen Ururgroßvater gemacht hatte. Diese hatte er auch in seinem letzten Kampf gegen die weißen Soldaten getragen. Und das Gewehr war auch da. Damit hatte er gekämpft und manchen Sieg davongetragen. Da! Da war der kleine Blutfleck, von dem die Mutter gesprochen hatte. Der stammte von der Verletzung, die der Ururgroßvater aus diesem Kampf durch die Kugel eines Soldaten am Arm davon getragen hatte. Viele Jahre später, nach dem Tod des Ururgroßvaters hatte der Großvater dem Stammesmuseum dieses Gewehrfutteral und auch das Gewehr geschenkt. Nun konnte es von den Besuchern und vor allem auch den Kindern des Stammes hier im Museum bestaunt werden....

 

Solche oder ähnliche Situationen könnten schon bald der Vergangenheit angehören, wenn die Kinder der Blackfeet, die im "Museum of the Plains Indians" die Möglichkeit haben, ihrer eigenen Geschichte nachzugehen, vor verschlossenen Türen stehen.

1941 mitten im Blackfeet-Territorium gegründet, zeigt das Museum einen Teil der materiellen Kultur dieses Volkes und zählt mittlerweile zu den bekanntesten und besten Indianermuseen in Nordamerika. Dabei werden den Besuchern nicht nur alte Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände oder Waffen präsentiert, sondern einem breiten Publikum auch moderne indianische Künstler und ihre Werke vorgestellt. Für die Kinder der Blackfeet ist es eine besondere Möglichkeit, ihre eigene Familien- und Stammesgeschichte nicht nur mit Worten, sondern durch authentische Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände und auch Waffen vermittelt zu bekommen. So können sie eine direkte Beziehung zu den Erzählungen der Ältesten im Unterrichtsfach "Kultur der Blackfeet" in der Reservationsschule sowie der eigenen Herkunft, der Familiengeschichte und der Stammesgeschichte herstellen. Dieses Lernen im Museum ist durchaus vergleichbar mit dem Erfahren unserer Kultur und Geschichte durch den Besuch von Heimatmuseen in Städten oder Gemeinden in verschiedenen Regionen Deutschlands, die auch regelmäßig von Schülergruppen aus diesen Regionen besucht werden.

Diese 66jährige Tradition ist nun bedroht durch Kürzungen der Finanzmittel, die bisher vom Staat dazu gegeben wurden. Die Kürzungen würden eine Weiterführung des Museums unmöglich machen. Bis September 2007 ist die Finanzierung gesichert. Doch dann beginnt das große Zittern. Sollen die Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände, Waffen, der Schmuck und die Bilder wirklich in Container verpackt und in Washington D.C. im Depot des Smithonian Institutes eingelagert werden? Ohne eine Chance, dass die Gegenstände in Zukunft im neuen großen Indianermuseum in Washington gezeigt werden? Soll den Kindern der Blackfeet die Möglichkeit, einen direkten und greifbaren Bezug zu ihrer Vergangenheit zu gewinnen, genommen werden? Weil eine Reise nach Washington einfach zu weit ist?

Viele Menschen in den USA sind nun schon durch Rundschreiben, persönliche Ansprache durch Mitarbeiter des Museums sowie durch die Presse auf dieses Problem aufmerksam gemacht geworden und wollen helfen. Entweder mit einem Schreiben an das Büro des Fremdenverkehrsvereins vom Bundesstaat Montana mit der Aufforderung, den Touristen die Möglichkeit zu einem Besuch des Museums nicht zu nehmen oder mit einer Mitgliedschaft im Förderverein "Freunde des Northern Plains Museums". Für einen geringen monatlichen Beitrag kann man Mitglied werden, bekommt die aktuellsten Informationen über Ausstellungen und Veranstaltungen und unterstützt diese Einrichtung aktiv mit seinem Beitrag.


So wie Antje Small Legs, Inhaberin des Zwei Welten Fachverlags können auch Sie Mitglied in diesem Förderverein werden und helfen, dieses Museum zu erhalten. Senden Sie Ihren Wunsch nach einer Mitgliedschaft per Post an:

Zwei Welten Fachverlag,
PF 97 05 39,
14443 Potsdam

oder per Fax 0331 - 61 6 37.

Wir senden Ihnen dann das Antragsformular des Fördervereins zu, welches Sie dann per Post direkt an die

Friends of the Museum of the Plains Indian
Museum of the Plains Indian Artists Association
PO Box 950
Browning, MT 59417
USA

senden.

Wünschen wir uns, dass noch viele Menschen dieses großartige Museum besuchen können und die Kinder der Blackfeet diesen Teil ihrer eigenen Stammes- und Familiengeschichte nicht hergeben müssen.

Ann Antje Small Legs
Potsdam, Oktober 2007